Ist sozial sein eine Frage des Geldbeutels? Oder der Einstellung und Haltung? Wo fängt Sozial sein an und Alternativ auf? Darf man als Idealist und angehender Weltretter noch billige Schuhe kaufen? Und mein Trockner, meine Badewanne, mein iPhone ...? Und muss ich jetzt immer meine Nachbarin fragen, ob ich ihr was einkaufen soll? Verdammte Axt: Wie geht "Welt retten" eigentlich?

 

Meine Café-Pad-Maschine (heißgeliebt!) wurde gegen einen Espresskocher getauscht und die herkömmliche Methode "zum Runterdrücken" funktioniert auch hervorragend. Fühle mich schon unglaublich gut, wenn ich nun beim Kaffekaufen auch noch auf kleine Kaffeeanbieter achte, so dass auch alles mit rechten Dingen zugeht. Ganz bestimmt.

Am abend finde ich mich mit Rechner auf den Knien, TV im Hintergrund und Handy in Reichweite auf dem Sofa wieder beim What's Appen (ein Chat-App für Smartphones), Onlinegamen (Achtung, ich oute mich offiziell als kleiner Nerd) und Sinnlos-TV-gucken.
Die Erdbeeren aus Keine-Ahnung und die Schokolade von Äh-schmeckt-einfach-gut liegen auf dem Tisch. Meine Jogginghose von GundG (GemütlichUndGünstig) und das Schlabber-T-Shirt Baumwolle-auch-sau-gemütlich wurde garantiert nicht ganz so fair hergestellt noch gehandelt und auch nicht mit dem Eselskarren in den Online-Shops gebracht, in dem ich es gekauft habe ... und nun? Und mein Bett ist absolut nicht BIO!!

Ich möchte etwas verändern, ein sogenanntes soziales Problem angehen und bekämpfen. Und obendrein habe ich mir die Aufgabe gestellt, auch noch mittel- bis langfristig ein sogenannter Social Intrepreneur zu werden (Gründer eines Sozialunternehmens). Eine Idee dafür habe ich ja, siehe Pupendingelings.

Und nun? Ist sozial sein und Welt retten nun eine neue Tugend, die man sich  an mancher Stelle zulegt und an anderer nicht? Wieviel soziales Verständnis brauche ich, um zu durchdringen, wo sozial anfängt und wo es aufhört? Und ab wann werde ich Alternativ?

Wenn ich mir den Popo aufreisse um anderen einen Arbeitsplatz zu schaffen, ist das doch unglaublich sozial, oder? Kompetent wahrscheinlich auch.
Ist es dann ok, wenn meine Produkte in Plastikverpackungen verkauft werden, weil ich schlichtweg ein Sichtfenster brauche?

Und ums mal kurz zu sagen: ich bin gerade von meiner eigenen Fragestellung total überfordert, denn ... auf manches achte ich, auf anderes nicht.  Ich fühle mich gerade wie in unglaublicher Möchte-gern-Held. Dafür aber mit verdammt viel sogenanntem Aberwitz und ich sage mir selbst auch eine gute Sozialkompetenz nach 😉 Aber trotzdem ... meine Wolldecke ist übrigens aus Polyester und ich hab auch viele Pressholzmöbel ... vieles meiner Stoffspenden für die Handpuppen sind auch nicht ökologisch gut vertretbar. Bin ich jetzt raus?

Ich denke, dass jeder seinen Mittelweg finden muss, aber das Thema achtsamer und bewusster Umgang mit Mitmenschen, Tieren und Natur sind sicherlich eine alltägliche Herausforderung, vor die ich mich gerade selbst gestellt habe.

Wie macht ihr das? Wie seht ihr das? Wo seid ihr ein "guter" Mensch und wo geht's im Alltag unter?
Oder habt ihr einfach einen Kursus "Sozialkompetenz" belegt und ertragt eure Familie nun mit viel Toleranz? Oder habt ihr 500 Facebook-Freunde, denen ihr täglich eure Menuevorschläge präsentiert und glaubt damit, euren sozialen Beitrag geleistet zu haben? Wer spendet, wer agiert ehrenamtlich?

PS: Aber Hand aufs Herz: der Kapsel-Kaffee aus der Nespresso-Maschine schmeckt immernoch gut, oder?

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One Comment

  1. Yay! Sehr schön!

    Ein Darstellungspro-Tipp: Für das bessere Lesen machst Du den Text mal in Spalten.

    Dazu gibst Du im Editor ein:

    [one_half]Erste Spalte: Dein Text, dein Text. Dein Text, Dein Text! Dein Text, dein Text. Dein Text, Dein Text![/one_half]

    [one_half_last]Zweite Spalte: Dein Text, dein Text. Dein Text, Dein Text! Dein Text, dein Text. Dein Text, Dein Text![/one_half_last]

    Und dann läuft der Text nicht so breit und ist schöner zu lesen.

    Sehr schick, Frau Fee!

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